Kannst du mich hören?
KANNST DU MICH HÖREN?!
Ich schreie nach dir! - In der Dunkelheit.
Meine Stimme zittert vor Angst und Schuld.
Bin blind, am verzweifeln und irre umher.
Stehe mitten im Wald. Der Himmel ist schwarz.
Die Bäume sind grau und kahl. Es stinkt nach Tod.
Meine Augen brennen. Auf meinem Gesicht liegt eine Ascheschicht.
Ich kriege kaum Luft & eine widerliche Übelkeit erfüllt mich.
Kannst du mich hören?
KANNST DU MICH HÖREN?!
Ich sinke zu Boden und schluchze laut.
Ich flehe dich an. Rette mich! Schenk' mir Flügel!
Ein Schrei in der Dunkelheit. Es war mein eigener, so befremdlich.
So schmerzverzerrt, so schrill, so Mark erschütternd.
Ich muss hier raus! Sonst sterbe mich.
Kannst du mich hören?
KANNST DU MICH HÖREN?!
Du lässt dich von denen finden, die dich suchen?
Und jetzt? Ich bin hier allein. Ganz allein. Bin am Ende.
Mein Schreien erreicht kein Ohr in diesem verfluchten Wald.
Hier bin nur ich, der Gestank, die Asche und die toten Bäume.
Mehr nicht.
Ich nehme all meine Kraft zusammen &
brülle aus ganzer Seele, ganzem Herzen, mit all meinem Sein:
Wenn du mich hörst, rette mich!
Stille. Absolute Dunkelheit.
Ganz vorsichtig öffnen sich meine Augenlider.
Ich muss stark blinzeln. Es ist so hell, so warm.
Der Wald, der Gestank, die Bäume, die Asche.
Alles verschwunden.
Ich liege auf einer wunderschönen Wiese.
Das Gras fühlt sich weich und zart an.
Mein Blick schweift ungläubig umher.
Ein atemberaubendes Blumenmeer entfaltet sich vor mir.
Meine Augen sind weit aufgerissen.
Ich komme aus dem Staunen nicht mehr hinaus,
dreh' mich im Kreis, lass mich fallen, springe auf & renne über die Wiese.
Die Sonne strahlt in ihrer ganzen Pracht am Horizont.
Der Himmel ist unfassbar facettenreich.
Vögel zwitschern laut, fliegen Kunststücke in der Luft.
Alles ist voller Leben, der Wind ist warm und angenehm.
Es duftet herrlich. Wie kurz nach einem Regenschauer.
Was für ein wundervoller Ort. So vollkommen.
Plötzlich, zwischen all der Faszination.. steht er auf einmal da.
Ruckartig bleibe ich wie angewurzelt stehen.
Ein Lächeln liegt in seinem Gesicht. So voller Freude und Liebe.
Er winkt mir aufgeregt zu und will, dass ich zu ihm komme.
Ich kann seinem Blick kaum standhalten, so schuldig fühle ich mich.
Eine angenehme Wärme macht sich in meinem Körper breit.
Aufeinmal empfinde ich Geborgenheit, Annahme, Liebe.
Meine Anspannung schwindet.
Ich muss lachen - vor Freude.
Mein ganzer Körper bebt vor Glück.
Ich renne ihm entgegen & lande sanft in seinem liebevollen Arm.
Er hält mich. Dieser kurze, flüchtige Moment war überwältigend.
All meine Schuldgefühle verpufften im Nichts.
Was blieb war Geborgenheit, Liebe, Annahme, vollkommener Frieden.
Spürbar in jeder Zelle meines Körpers und in absoluter Perfektion.
Endlich. Ich bin angekommen. Hier bin ich richtig.
Nach all der Zeit. Nach all den Irrwegen. Endlich.
Alles ergibt auf einmal Sinn.
Danke, danke Vater!